Das technische Prinzip des Judo

 

Der Grundsatz „Siegen durch Nachgeben“ beschreibt das technische Prinzip des Judo. Damit ist gemeint, dass man mit möglichst geringem Kraftaufwand eine größtmögliche Wirkung erzielen will.

Der Krafteinsatz des Gegners wird also nicht erwidert, sondern durch Nachgeben und Ausweichen in die gleiche Richtung mit dem eigenen Zug weitergeführt und verstärkt. Dadurch, dass der erwartete Widerstand ausbleibt, verliert der Gegner sein Gleichgewicht, und die eigene Kraft kann effektiv eingesetzt werden.

Reagiert der Gegner auf die erste Angriffstechnik mit einer Abwehrtechnik, kann man diese wiederum erfolgreich für eine andere Angriffstechnik ausnützen. Ein praktisches Beispiel für dieses Prinzip sind alle Kontertechniken und Kombinationen.

Jigoro Kano, der Begründer des Judo hat den Sachverhalt wie folgt beschrieben:

„Wollen wir einmal die Kraft eines Menschen mit einer Bezugszahl andeuten. Mein Gegner hat beispielsweise eine Kraft, die 10 Einheiten entspricht. Ich selber, kleiner und schwächer als er kann nur über eine Kraft von 7 Einheiten verfügen.

Wenn mich der Gegner nun mit aller Kraft nach hinten drückt, müsste ich auf jeden Fall weichen, würde vielleicht sogar fallen. Wenn ich ihm aber keinen Widerstand leiste, wenn ich im Gegenteil seiner Kraft durch entsprechende Körperdrehung so weit wie möglich nachgebe und zu gleicher Zeit mein Gleichgewicht zu bewahren versuche, dann neigt er sich vornüber und verliert selbst sein Gleichgewicht.

In dieser neuen Haltung aber ist er ein schwacher Mann. Wohl besitzt er noch seine Kraft, in diesem Augenblick kann er sie aber nicht mehr verwenden, da er den Halt verloren hat. Von seinen 10 Krafteinheiten sind vielleicht noch drei übriggeblieben, während ich, wenn ich das Gleichgewicht bewahren konnte, noch immer über meine volle Kraft verfüge.

Einen Augenblick lang bin ich also in der besseren Position und ich kann meinen Gegner besiegen, selbst ohne meine ganze Kraft einzusetzen.“