Das Wesen des Judo

 

„Das moralische Prinzip hebt Judo über den Stand eines bloßen Zweikampfsportes hinaus und lässt Judo zum Erziehungssystem werden“

(Jigoro Kano; Begründer des Judo)

 

Judo ist mehr als nur eine Kampfsportart. Vielmehr ist Judo eine Schulung von Körper und Geist, die die Entwicklung des Menschen positiv beeinflusst. Die Mentalität dieser Sportart gibt ihr – mehr als jedem anderen Kampfsport – seine Existenzberechtigung.

 

Judo kann als Lebensweg (Judo = japanisch: der sanfte Weg) und prinzipielle Einstellung zum Leben im Miteinander betrachtet werden. Jeder Judoka soll lernen, dass er sich für seinen Partner verantwortlich fühlt (gegenseitige Hilfe für den wechselseitigen Fortschritt und das beiderseitige Wohlergehen).

 

Eben diese Rücksichtnahme auf die Persönlichkeit des Nächsten unterscheidet Judo vom Ju-Jitsu und anderen Kampfsportarten. Ju-Jitsu ist kalte Technik und arm an Lehren für das Miteinander. Judo hingegen macht es sich zur Aufgabe, über den Faktor der technischen Kenntnisse hinaus durch Kampf- und Trainingsübungen, den Übenden die eigenen Grenzen und Möglichkeiten erkennen zu lassen und seinen Charakter ausgeglichen zu entwickeln.

 

Ein Judoka sollte folgende Werte verinnerlichen:

 

Respekt

Begegne deinem Lehrer und den Trainings-Älteren zuvorkommend. Erkenne die Leistungen derjenigen an, die schon vor deiner Zeit Judo betrieben haben.

 

Höflichkeit

Behandle deine Trainingspartner und Wettkampfgegner wie Freunde. Zeige deinen Respekt gegenüber jedem Judo-Übenden durch eine ordentliche Verneigung.

 

Wertschätzung

Erkenne die Leistung jedes anderen an, wenn dieser sich nach seinen Möglichkeiten anstrengt.

 

Selbstbeherrschung

Achte auf Pünktlichkeit und Disziplin bei Training und Wettkampf. Verliere auf der Matte nie die Beherrschung – auch nicht bei Situationen, die du als unfair empfindest.

 

Hilfsbereitschaft

Hilf deinem Partner, die Techniken zu erlernen. Sei ein gute Uke. Unterstütze als Höher-Graduierter oder Trinings-Älterer die Anfänger. Hilf den Neuen, sich in der Gruppe zurecht zu finden.

 

Ehrlichkeit

Kämpfe fair, ohne unsportliche Handlungen und ohne Hintergedanken.

 

Mut

Nimm im Randori und Wettkampf dein Herz in die Hand. Gib dich niemals auf – auch nicht bei einer drohenden Niederlage oder bei einem scheinbar übermächtigen Gegner.

 

Bescheidenheit

Spiele dich nicht selbst in den Vordergrund. Sprich über deinen Erfolg nicht mit Übertreibung. Orientiere dich an Besseren und nicht an denen, deren Leistungsstand du bereits erreicht hast.

 

Ernsthaftigkeit

Sei bei allen Übungen und im Wettkampf konzentriert und voll bei der Sache. Entwickle eine positive Trainingseinstellung und übe fleißig.